EUROSCHOOLSYOUTH CAMP2008

53 Nationen – ein Team

"RESPECT AND FAIR PLAY FOR EVERYBODY"

Im Rahmen des EUROSCHOOLS2008–Projekts fand in Steinach am Brenner, Trogen in der Schweiz und Lichtenstein ein abschließendes Jugendcamp statt. Alle 53 UEFA-Staaten waren mit Schülergruppen vertreten. Von unserer Schule nahmen Fenzl Marcel (5 S), Hackl Joachim (5 S), März Eva (6 S) und Isabel Hamader (4 R) am Camp teil. Begleitet wurde die Fußballergruppe durch Prof. Helmut Stadler.

Das Camp in Steinach am Brenner

Im Camp in Steinach trafen sich rund 200 Teilnehmer aus 22 Nationen. Als Botschafter Zyperns war es uns möglich, die nach Nikosia zur GC School of Carreers aufgebauten Kontakte in eine für je zwei Schülerinnen und Schüler sowie einem Begleitlehrer lautende Einladung zur kostenlosen Teilnahme am Camp abzugeben. Wir waren gespannt auf unsere Freunde aus Zypern. Wie werden sie aussehen? Werden wir uns verständigen können? Können sie auch Fußball spielen? Neugierig fuhren wir also mit dem Zug nach Steinach. Wir fragten nach der Ankunft sofort nach den Zyprioten und tatsächlich,   sie waren nach einer langen Anreise mit Flug nach München und Busfahrt nach Tirol, ebenfalls schon eingetroffen.

Mit einem großen Hallo begrüßten wir uns gegenseitig. Andrea Chrysanthou, Maria Papachristodoulou, Nicolas Georgiades, Chrystos  Kika und der EDV-Lehrer Nicolas Pateras waren uns durch ihr freundliches und aufgeschlossenes Auftreten vom ersten Augenblick an sehr sympathisch und in der Folge bald zu echten Freunden geworden.

Unser erstes Zusammensitzen (Bild) mit näherem Kennen lernen und Austausch von Geschenken fand am zweiten Abend statt. Eva hatte mit dem FC Wels noch ein wichtiges Meisterschaftsspiel zu spielen und ist deswegen erst am Montag zu Mittag nachkommen. Mit unseren Welser Torten von der Fa. Resch versüßten wir unsere Powerpoint-Präsentation über Zypern, die wir als Botschafter anlässlich des Aktionstages in der 3 R-Klasse (GWK) anfertigten. Dazu gab es Applaus und einige interessante Ergänzungen durch die Schüler aus Nikosia. Anschließend stellten sie sich selbst mit Bildern und Musik vor.

Workshop for the teenagers

Die Zielstellung dieses Fußballcamps war in erster Linie auf das einander Kennen lernen und Respektieren über die nationalen Grenzen hinweg ausgerichtet. Ebenso auf die Bildung europäischer Freundschaften in Frieden sowie auf die Verbreitung des Fair-Play-Gedankens im Fußball und über das Spielfeld hinaus. Dazu fanden in Gruppen Workshops zu den Themen " Me and my ball - where do I come from, where do I want to go to?" , "You and your team", "From rules to rights - differences and commonalities" statt.

Im  Rahmenprogramm gab es die Wahl  an einer Wanderung auf die Bergeralm, Fahrt nach Innsbruck oder an sportmotorische Testanordnungen ("Check the limits") teilzunehmen.

Leider gab es in der zweiten Schulwoche heuer den ersten Kaltwettereinbruch. Zum ersten Mal in diesem Jahr waren die Hänge in der Umgebung von Steinach weiß angezuckert. Das nasskalte Wetter erlaubte in den ersten Tagen nur sportliche Aktivitäten in der angeschlossenen Halle. Für die vielen fußballbegeisterten Schüler hieß es zusammenrücken! Auf drei kleinen Spielfeldern wurde aber trotzdem jede freie Minute mit Begeisterung gespielt.

Der Turnsaal war auch der Treffpunkt für alle gemeinsamen Aktivitäten. Locker und ziemlich cool gaben sich dabei die betreuenden Studenten aus der Sozialakademie in Wien. Sie waren während des gesamten Aufenthaltes in Steinach für die Abwicklung des Programms zuständig. Danke für euren Einsatz!

Programm für die Lehrer

Workshops  standen auch für die begleitenden Lehrer auf dem Programm. Dabei wurden unter der Leitung von Serge Agbodjan-Prince die Themen "Intercultural Competence for more Fair Play in the Society" und "Concepts of intercultural learning" erläutert und besprochen. Was und wie können wir in der Schule diese Themen sinnvoll umsetzen? Auch darüber wurde in den Gruppen fleißig diskutiert.

Im small talk konnte man vieles über die unterschiedlichen Bedingungen und Möglichkeiten aus den verschiedensten Ländern Europas erfahren und austauschen.

Lichtenstein wir kommen!

Nach vier Tagen in Steinach hieß es die Sachen packen um nach Lichtenstein weiter zu reisen. Irgendwie war eigentlich niemand so wirklich davon begeistert. Wir hatten uns schon recht gut aneinander gewöhnt. Das Jugendgästehaus bot eine saubere und nette Unterkunft. Das Essen war hervorragend und das Wetter ist auch von Tag zu Tag besser geworden. Wie wird es in Lichtenstein weitergehen?

Bei herrlichem Wetter fuhren wir bunt gemischt aufgeteilt auf vier große Busse ab in Richtung Arlberg. Um etwa 12 Uhr 30 erreichten wir dann unseren Zielort Schaan in der Nähe von Vaduz. Die Teilnehmer aus Trogen kamen ebenfalls busweise im gemeinsamen Camp an.

Nach dem Mittagessen und Abstellen des Gepäcks ging es für die rd. 500 Teilnehmer aus allen 53 UEFA-Nationen auf eine Besichtigungsfahrt durch Lichtenstein. Diese Fahrt wäre ja sehr schnell erledigt gewesen, hätten wir nicht auch einen Ausflug in das einzige Skigebiet Lichtensteins, nämlich in den 1600 Meter hoch gelegenen Ort Malbun (Gem. Triesenberg) gemacht. Es führt eine steile Straße hinauf in das Hochtal. Die Frommelts, Wenzels, Büchel und anderen lichtensteinischen Skirennläufer haben hier im Winter recht passable Trainingsmöglichkeiten! Die Pause nützten gleich einige Nationen um mit dem Sessellift noch weiter auf die Berge hinaufzukommen. Mit Verspätung ging es deswegen sehr schnell über die restlichen Gemeinden Balzers, Triesen, Planken, Eschen Mauren in das Rheinparkstadion in Vaduz, wo wir, im Rahmen eines U-17 Qualifikationsspieles, die Österreichische Mannschaft gegen Belgien groß aufspielen sahen.

Lichtenstein ist der dritt kleinste Staat in Europa und hat mit ca. 35000 Einwohner etwas mehr als die Hälfte der Einwohner von Wels. Der Kleinstaat wird durch Fürst Hans-Adam II. regiert. Das Fürstenhaus zählt zu den ältesten Adelsfamilien Europas.

Lichtenstein gilt als hoch entwickelter Industriestandort und verfügt über 15 Banken und viele Versicherungs- und Treuhandunternehmen.

Der Wirtschaftsstandort bietet 30 000 Arbeitsplätze! 15 000 pendeln täglich aus den umliegende Regionen zum Arbeiten in Lichtenstein ein und aus.

Quartier für ca. 500 Leute?

Wie kann man 500 Personen unter einem Dach unterbringen und versorgen? Eine nicht gerade einfache Herausforderung! Nun in Lichtenstein hat man das so bewerkstelligt: Eine Tennishalle inmitten der Industriezone von Schaan wird ausgeräumt, Kojen aufgestellt und mit dreistöckigen Metallbetten (Bild) ausgestattet. Pro Abteil haben 8 - 12 Campteilnehmer platz. Auf weitere Einrichtungsgegenstände wird verzichtet. Da die Tennishalle im Ausstellungszentrum steht, können die aufgebauten Zelte für die Herstellung der restlichen Infrastruktur (Duschen, WC, Speise- und Veranstaltungsraum) herangezogen werden. So einfach ist das!

Tatsächlich war alles gut durchdacht und organisiert. Man konnte sogar als Lehrer  in der Nacht im mitgebrachten Schlafsack ganz gut schlafen - allerdings erst nachdem sich alles beruhigt hatte. Das dauerte meist bis ein- zwei Uhr in der Nacht und ging nur durch starkes Einwirken der Betreuer und Begleitlehrer! Das Generalthema "Respect!" wurde hier von manchen Nationen ordentlich strapaziert!

Fair Play Turnier

Den Hauptprogrammpunkt in Lichtenstein bildete ein zweitägiges Fußballturnier nach den Fair-Play-Regeln. Für diesen Zweck waren auf der Dachterrasse des Parkhauses im Zentrum von Vaduz 6 Spielflächen mit Banden aufgebaut worden. Direkt am Fuß des Burgberges fanden die Begegnungen statt. Die einzelnen Mannschaften wurden zusammengelost. 4 Nationen mit jeweils 2 SpielerInnen bildeten ein Team.  Unsere SpielerInnen kämpften zusammen mit KollegenInnen aus Russland, Schweiz, Serbien, Aserbaidschan um die Fair-Play-Punkte. Leider gab es große Unterschiede im fußballerischen Niveau der Spieler. Während wir uns durchaus bei den besseren SpielernInnen einordnen konnten, haben manche Nationen die Auswahl ihrer TeilnehmerInnen vermutlich eher nach den Englisch Sprachkenntnissen vorgenommen, was sich natürlich nicht unbedingt in Euphorie niederschlug. (Anm.: Allerdings sollen die Englischkenntnisse auch nicht bei allen hervorragend gewesen sein.)

Obwohl jede Mannschaft gewinnen wollte, war bei den beiden Turnieren das Siegen eher zweitrangig. Es ging um Fair-Play, um die interkulturelle Verständigung und um die gemeinsame Sache Fußball. Fair-Play hieß in diesem Fall, gemeinsame "Fair-Play-Agreements" mit der gegnerischen Mannschaft aushandeln, diese Regeln im Spiel einzuhalten, im Nachhinein über den Spielverlauf zu reflektieren und diskutieren (Bild) und sich gegenseitig Fair-Play-Punkte zu geben.

Für mich als Außenstehender war es sehr interessant mitzuhören, mit welchen Argumenten und Gegenargumenten die Gespräche geführt wurden. Hut ab vor diesem seriös geführten Fair-Play!

Die jeweiligen Gruppensieger wurden im Festzelt am Abend geehrt. Wir waren leider nicht dabei.

Rund um das Turnier gab es verschiedene weitere interessante Aktivitäten. Das gesamte Programm wurde zwei Tage live über einen regionalen Sender übertragen. Alle Nationen konnten so über Radio und Internet ein Stück aus der Heimat präsentieren und Grüße nach Hause schicken. Verschiedene Workshops standen zwischen den Spielen zur Auswahl.  Besonders großen Zulauf verzeichnete der Schweizer Papper "Knackeboul" mit seine Darbietungen. Er konnte seine  Rapps praktisch in allen Sprachen aus dem Stegreif zum Gaudium der Zuhörer hervorzaubern. Künstlerisch gefordert waren alle Teilnehmer am Court 6, wo die Banden zur Gestaltung freigegeben wurden. In kurzer Zeit war alles bunt bemalt. Das BRG Wels durfte natürlich nicht fehlen!

Abschluss und Fahnenübergabe

Vor dem Rathaus in Vaduz fand die offizielle Schlussveranstaltung statt. Erbprinz Alois hielt ebenso eine Rede wie der Vizepräsident der UEFA und andere wichtige Personen aus Politik und Sport. Immer wieder wurde auf das Völker verbindende Wirken des Fussballsports, das Fairplay im Spiel und im Leben sowie die Friedensicherung über den Sport hingewiesen. Die vielen von den Teilnehmern gestalteten Fahnen wurden symbolisch an Lichtenstein übergeben und allen gedankt, die zum Gelingen dieser riesigen Veranstaltung beitrugen.

Mit diesem feierlichen Akt erreichte das EUROSCHOOLSYOUTHCAMP2008 in Trogen, Steinach am Brenner und Lichtenstein seinen feierlichen Abschluss.

Tränen vor der  Heimreise

Am Abend legten sich im Festzelt der Papper "Knackeboul" und ein DJ bei der Farewell-Party noch einmal mächtig ins Zeug. Bei vielen wollte aber nicht mehr wirklich gute Stimmung aufkommen. Der Zeitpunkt des Abschied-Nehmens rückte unaufhaltsam näher. Vielen standen Tränen in den Augen und manche ließen sie auch ungehemmt herunter laufen.  Weit über die politischen und kulturellen Grenzen hinaus waren in den vergangenen 7 Tagen unter den SchülerInnen zwischen Island und Russland,  Zypern und Norwegen zahlreiche Freundschaften entstanden. So eine Trennung tut immer weh! Auch wir mussten uns schon bald von unseren Freunden aus Zypern verabschieden. Ihre lange Rückreise war  bereits um 2 Uhr in der Nacht festgesetzt.

Nach ca. 530 km Bahnfahrt erreichten wir am Sonntagnachmittag wieder Wels.

Mit dem Jugendcamp ist vermutlich die letzte Aktivität im Rahmen der von der Schweiz und Österreich gemeinsam durchgeführten Fußball-uropameisterschaft zu Ende gegangen. Unter dem Motto "Fußball verbindet" trafen sich SchülerInnen und LehrerInnen aus  allen UEFA-Nationen um sich in einem vereinten Team über nationale und kulturelle Grenzen friedlich zu verständigen und gemeinsam Fußball zu spielen. Fair-Play und Respekt sind tragende Säulen in Sport und Gesellschaft. Sie sind nicht selbstverständlich, sie müssen entwickelt, verbreitet und gelebt werden. So wie wir das in den 7 Tagen des EUROSCHOOLSYOUTH 2008 CAMP versucht haben. Ein tolles Erlebnis für alle! Ich hoffe und wünsche, dass die geknüpften Kontakte lange erhalten bleiben.

Ich möchte mich in Namen des BRG Wels Wallererstraße für die Einladung zur Teilnahme am Camp bedanken. Ein besonderer Dank gebührt den österreichischen Organisatoren Elisabeth Kotvojs und Martin Roßbach sowie dem schweizerisch-lichtensteinischen Organisationsteam. Ihr habt großartige Arbeit geleistet!

Prof. Helmut Stadler